Art Blakey and the Jazz Messengers in Strasbourg ´82
Bad Aibling [ENA] In der Rückschau 24 Jahre nach dem 1.April 1982 erscheint dieser Tag als ein Besonderer in der französischen, wenn nicht in der Jazzgeschichte allgemein. Art Blakey gab mit seinen neu formatierten Jazz Messengers ein Konzert in Strasbourg, das heute als legendär gilt.
Die neue Formation war notwendig geworden, nachdem die Marsalis-Brüder, Branford (*1960) und Wynton (*1961) die Jazz-Messengers verlassen hatten, in der sie zwei Jahre gespielt hatten. Der letzte gemeinsame Auftritt mit Branford Marsalis allein hatte am 19.Februar 1982 im Baird Auditorium in Washington stattgefunden.Für die notwendige Neuformatierung seiner Jazz Messegers orientierte sich Art Blakey an seiner während einer Night at Birdland weitere drei Jahrzehnte zuvor getätigten Äußerung: “Jawohl, ich muss mich an die jungen Leute halten. Wenn die zu alt werden, hole ich mir wieder ein paar jüngere. Das hält den Geist wach.“
Eine andere Aussage war, dass man zur Schule ginge, um sein Diplom zu bekommen und zu ihm, um eine Ausbildung zu erhalten. Er hatte die nunmehr „so alten“ Marsalis Brüder, 21 und 22 Jahre alt, mit dem jüngeren Trompeter Terence Blanchard (*1962) und dem immerhin auch schon 1960 geborenen Altsaxophonisten Donald Harrison ersetzt. Beide stammten wie die Marsalis-Brüder aus New Orleans und für den jungen Trompeter Terence Blanchard folgte Blakey einer Empfehlung von Wynton Marsalis. Blanchards etwas älterer Freund Donald Harrison, schloss sich ebenfalls an und brachte den unverwechselbaren NOLA (New Orleans, Louisiana) -Swing mit. Johny O´Neal war der ursprünglich aus Alabama stammende in Detroit wohnende Pianist mit Gospel-Blues Wurzeln.
Über ihn sagte man, dass er über eine rechte Hand verfüge, die es mit der von Oscar Peterson aufnehmen konnte und mit der und der linken Hand er einen bluesigen Swing spielen würde, der weitaus strahlender war als der seines Messenger-Vorgängers Donald Brown. Aus der vorhergehenden Formation waren Bassist Charles Fambrough und Billy Pierce am Tenorsaxophon geblieben. Donald Harrison wie Terence Blanchard hatten bei Ellis Marsalis, dem Vater der Marsalis Brüder, studiert und galten bald als führende Musiker der „Young Lions“-Bewegung der 1980er Jahre. Das Strasbourg ´82 Konzert der Jazz-Messengers in dieser Formation lässt sich als Ursprung dieser Bewegung sehen.
Die bisher unveröffentlichte Aufnahme des Konzerts, dass am 1.April 1982 in der Maison de la Radio, dem heutigen Auditorium de France 3 Grand Est stattfand, wurde vom britischen Label Gearbox Records organisiert und ist im Herbst des vergangenen Jahres erschienen. Die in Hi-Fi-Qualität zu hörende Aufnahme gilt als authentisch und fängt, die Live-Ästhetik des Konzerts ein. Die Veröffentlichung des bisher und unter der Rubrik „Lost Tape“ als unbekannt eingeordneten Mittschnitts erfolgte mit der Autorisierung durch Art Blakeys Sohn Takashi Blakey.
Fambroughs Bass startet „Little Man” als ersten Titel und sofort lassen sich ein feuriges Zusammenspiel und eine unbändige Energie spüren, wie Jim Hynes nach der Veröffentlichung des Albums im US-amerikanischen „glide magazine schreibt. Alle drei Bläser würden mit großer Freiheit und Ausdruckskraft spielen. Er erwähnt auch, dass von dem Moment an, wo Pianist O´Neal vom Begleitspiel befreit sei, seine „funkelnde rechte Hand und ein unheimliches Gespür für den Swing“ zum Tragen käme. Von den neun Titeln (Little Man, Along Came Betty, Fuller love, Eight one, I can´t get started, New York, I didn´t know what time it was, Blues March/Theme, Moanin`) sei an dieser Stelle nur New York als charakteristisch erwähnt.
Hier beginnt Blakey mit seinen für ihn typischen Press-Rolls, gefolgt von Terence Blanchards scharfen, prägnanten Trompeten-Linien und den kraftvollen Saxophonbeiträgen von Billy Pierce und Donald Harrison und einem weiteren funkelnden Solo von Johnny O’Neal. Im ebenfalls amerikanischen “Stereophile” zitiert Thomas Conrad die liner-notes: „dass dieses Album eine wichtige Lücke in der dokumentierten Geschichte der Band schliesst“ und äußert sogleich seine Zweifel, denn die Besetzung der Band habe sich ständig geändert und sei für das Strasbourg-Konzert eben brandneu und noch nicht ganz eingespielt gewesen. Man erkenne dies an Donald Harrisons, dessen Spiel „hektisch und schrill“ gewesen sei.
Auch schreibt er, dass es dieser Gruppierung an Raffinesse fehle, was sie durch jugendlichen Enthusiasmus wettmache. Insgesamt ist seine Bewertung von Auftritt und Album aber positiv: Begriffe wie „üppig und schön“ oder seine Anerkennung von Terence Blanchards Auftritt lassen (s)eine Sehnsucht nach der Musik der Messenger-Band erkennen. Interessant ist, dass sich zeitgenössische Ausgaben arrivierte Jazz-Magazine nicht zu dem Konzert geäußert haben, weil sie es nicht auf der Liste oder nicht besucht hatten. Lediglich die Rezension vom 3.April 1982 im „Dernieres Nouvelles D´Alsace“ liess sich finden.
Hier schlägt der Rezensent als Grund vor, ein Konzert von Art Blakey zu besuchen, das man kann sich einfach wieder einmal von einem Künstler überraschen lassen könne, der mit über sechzig Jahren immer noch die gleiche Spielfreude wie am ersten Tag ausstrahlen und ständig neue Talente in seine Band holen würde. Art Blakey´s Messengers hatten ihren Auftritt einen Tag nach einem Konzert des französischen Jazz-Geigers und Komponisten Didier Lockwood, was den Rezensenten zu der Aussage veranlasste, dass man Blakey´s Jazz vorwerfen könne, es mangele ihm an Abenteuerlust. Der Swing sei ohne Zweifel vorhanden, ohne dass in Blakey´s Welt Unvorhersehbares zu erwarten wäre.
Auch er endet versöhnlich, wenn er schreibt, dass Art Blakey selbst mit seinen Standards nichts von seiner Aktualität eingebüßt habe, als er das Konzert mit „Blue March“ und „Moanin’“ als Zugaben beendet hätte. Man könne suchen, wie man wolle: Solche absoluten Größen seien in der neuen Jazzgeneration rar gesät. Heute freuen wir uns über die Veröffentlichung dieser Aufnahme, die die früheste Live -Aufnahme der Blanchard-Harrison-Besetzung darstellt und die sich wohltuend von den Live-Compilationen oder Bootlegs auf Streaming Plattformen unterscheidet, wie Veneranda Paladino Anfang dieses Jahres in der im Elsass erscheinenden Tageszeitung L´Alsace anlässlich der Veröffentlichung der CD beschreibt.
Der bereits zitierte Thomas Konrad schliesst seinen Beitrag mit den Worten, dass der Mitschnitt von „Strasbourg ´82 zu unausgewogen und zu weit vom Mikrofon entfernt sei, um audiophil zu wirken. Für dieses Einschätzung benötigt der Hörer sicher die Expertise des Rezensenten. Seinem Schlusssatz „Aber die rohe, unverblümte Aggressivität mache Spass“ kann und muss man sich anschließen.




















































